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Neodym-Magnete: N35 bis N52 einfach erklärt
N35, N42, N52 oder N42SH: Wir erklären, was hinter den Güteklassen steckt, welche Beschichtung wofür taugt und wie heiß Neodym werden darf.

Neodym-Magnete sind die Kraftpakete unter den Dauermagneten. Ein Würfel, kaum größer als ein Zuckerstück, hält mühelos einen Stapel Papier an der Stahltür, und zwei größere Exemplare lassen sich mit bloßen Händen kaum noch trennen. Wer online stöbert, stößt schnell auf Kürzel wie N35, N42, N52 oder N42SH und fragt sich, was dahinter steckt.
In diesem Ratgeber erfährst du, was die Güteklassen bedeuten, warum ein N52 nicht automatisch die beste Wahl ist, welche Beschichtung zu welchem Einsatz passt und wo die Temperaturgrenzen liegen. Am Ende weißt du, worauf du beim Kauf wirklich achten solltest.
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Was steckt in einem Neodym-Magneten?
Ein Neodym-Magnet besteht aus einer Legierung aus Neodym, Eisen und Bor. Diese Elemente bilden zusammen eine tetragonale Kristallstruktur mit der Formel Nd2Fe14B, deshalb liest du oft auch die Abkürzung NdFeB. Entwickelt wurde der Werkstoff 1984, und zwar unabhängig voneinander von General Motors und Sumitomo Special Metals.
Die meisten Magnete, die du kaufen kannst, sind gesintert: Das Metallpulver wird gepresst, in einem Magnetfeld ausgerichtet und bei hoher Temperatur verdichtet. Daneben gibt es kunststoffgebundene Varianten, die sich leichter in komplexe Formen bringen lassen, aber schwächer sind. Gesinterte Magnete sind hart und spröde. Sie können splittern, wenn sie aufeinanderknallen, und das Material korrodiert ohne Schutzschicht recht leicht.
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Die Güteklassen N35 bis N52 verständlich erklärt
Die Zahl hinter dem N gibt das maximale Energieprodukt (BHmax) in Megagauss-Oersted (MGOe) an. Vereinfacht gesagt beschreibt sie, wie viel magnetische Energie in einem bestimmten Volumen steckt. Je höher die Zahl, desto stärker ist ein Magnet bei gleicher Größe. Gesinterte Neodym-Magnete werden etwa von N28 bis N55 angeboten, im Handel am häufigsten sind N35, N38, N42, N45, N48 und N52.
Ein zweiter wichtiger Wert ist die Remanenz (Br), also die Flussdichte, die im Magneten nach dem Aufmagnetisieren zurückbleibt. Sie liegt bei Neodym typischerweise um 1,3 Tesla. Laut Herstellerangaben erreicht ein N35 etwa 1,17 bis 1,22 Tesla, ein N52 etwa 1,43 bis 1,47 Tesla.
- N35 und N38: günstig, für Pinnwand, Bastelprojekte und viele Alltagsaufgaben völlig ausreichend.
- N42 und N45: ein guter Mittelweg aus Preis und Kraft, sehr verbreitet in Haftmagneten und Halterungen.
- N48 bis N52: maximale Kraft auf kleinstem Raum, sinnvoll, wenn Platz oder Gewicht knapp sind.
Wichtig: Die Güteklasse ist nur ein Faktor. Größe und Form des Magneten beeinflussen die Haftkraft oft viel stärker als der Sprung von N42 auf N52. Ein etwas größerer N42 kann einen kleineren N52 locker übertreffen.
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Die Buchstaben hinter der Zahl: M, H, SH, UH, EH
Neodym hat eine Schwachstelle: Wärme. Mit steigender Temperatur sinken sowohl die Koerzitivfeldstärke, also der Widerstand gegen Entmagnetisierung, als auch das Energieprodukt. Wird ein Magnet zu heiß, verliert er dauerhaft einen Teil seiner Kraft. An der Curie-Temperatur, die je nach Legierung etwa bei 310 bis 400 °C liegt, ist die Magnetisierung ganz verschwunden.
Deshalb gibt es Sorten mit Zusatzbuchstaben. Sie enthalten meist Beimischungen wie Dysprosium oder Terbium, die die Hitzefestigkeit erhöhen, aber den Preis nach oben treiben. Die folgenden Werte sind typische Herstellerangaben für die maximale Einsatztemperatur:
| Kennzeichnung | Beispiel | Max. Einsatztemperatur (Richtwert) |
|---|---|---|
| ohne Zusatz | N42, N52 | 80 °C |
| M | N42M | 100 °C |
| H | N42H | 120 °C |
| SH | N42SH | 150 °C |
| UH | N35UH | 180 °C |
| EH | N35EH | 200 °C |
Diese Werte gelten unter Laborbedingungen. In der Praxis spielen Form und Einbausituation mit, deshalb solltest du bei warmen Anwendungen immer etwas Luft nach oben lassen. Übrigens verlieren Hochtemperatursorten bei Raumtemperatur oft ein wenig Kraft gegenüber der Standardvariante.
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Beschichtungen: Schutz vor Rost und Abrieb
Gesintertes Neodym rostet vor allem entlang der Korngrenzen. Ohne Überzug würde ein Magnet an feuchter Luft mit der Zeit bröselig. Darum tragen fast alle Neodym-Magnete eine Schutzschicht. Welche sinnvoll ist, hängt davon ab, wo du den Magneten einsetzt.
- Nickel (Ni-Cu-Ni): der Standard. Glänzend, etwa 12 Mikrometer dick, preiswert und gut für trockene Innenräume. Im Wasser hält die Schicht nicht lange.
- Chrom: auf einer Nickelbasis, matt grau, abriebfester und stoßunempfindlicher als reines Nickel.
- Epoxid: fast vollständiger Korrosionsschutz, solange die Schicht intakt ist. Sie ist aber nicht schlagfest und platzt bei Beschädigung leicht ab.
- Gold und Kupfer: dekorativ, aber empfindlich. Die dünne Goldschicht nutzt sich bei häufigem Gebrauch schnell ab.
- Zink: matt, sehr dünn, anfälliger für Korrosion als Nickel und kann dunklen Abrieb hinterlassen.
- Gummi- oder Kunststoffummantelung: schont empfindliche Oberflächen und erhöht die Reibung, der Abstand zum Metall senkt aber die Haftkraft.
Für den Einsatz draußen oder im Wasser, etwa beim Magnetangeln, lohnt sich eine robustere Beschichtung oder ein Magnet in einem Stahltopf. Ferritmagnete brauchen dagegen gar keine Beschichtung, weil sie von Natur aus wetterfest sind.

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So wählst du den richtigen Magneten aus
Statt blind zur höchsten Güteklasse zu greifen, gehst du am besten Schritt für Schritt vor. Diese Fragen helfen dir:
- Wie viel Kraft brauchst du wirklich? Rechne mit Reserve, denn Datenblattwerte werden unter Idealbedingungen gemessen.
- Wie viel Platz hast du? Wenn der Einbauraum knapp ist, bringt N52 echte Vorteile. Ist Platz da, ist ein größerer N42 oft günstiger.
- Wie warm wird es? In der Nähe von Motoren, Lampen oder im Auto im Sommer kann eine M-, H- oder SH-Sorte sinnvoll sein.
- Wie feucht ist die Umgebung? Drinnen reicht Nickel, bei Feuchtigkeit sind Epoxid, Kunststoffhüllen oder gekapselte Topfmagnete besser.
- Wird der Magnet oft bewegt? Bei Abrieb und Stößen sind Chrom oder eine Gummihülle robuster als Gold oder Epoxid.
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Sicherheit im Umgang mit starken Magneten
So praktisch Neodym-Magnete sind, sie verdienen Respekt. Größere Exemplare können beim Zusammenschnappen Haut und Finger schmerzhaft einklemmen, im Extremfall sind sogar Knochenbrüche möglich. Weil das Material spröde ist, können beim Aufprall Splitter wegfliegen. Eine Schutzbrille ist bei großen Magneten keine schlechte Idee.
Besonders ernst ist das Verschlucken. Wenn ein Kind zwei oder mehr kleine Magnete schluckt oder einen Magneten zusammen mit einem Metallteil, können sich diese durch die Darmwände hindurch anziehen. Das Gewebe dazwischen wird abgeklemmt, und es drohen schwere Verletzungen, die oft operiert werden müssen. Bewahre kleine Magnete deshalb außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren auf und zähle Sets nach dem Spielen nach. Besteht der Verdacht, dass Magnete verschluckt wurden, gilt: sofort ärztliche Hilfe holen oder den Giftnotruf anrufen. Für Magnetspielzeug gibt es in vielen Ländern eigene Vorschriften, es lohnt sich also, die Regeln vor Ort zu prüfen.
Halte starke Magnete außerdem von Herzschrittmachern, Implantaten, Datenträgern und Bankkarten fern und folge dabei den Hinweisen des Geräteherstellers.

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Häufige Fragen
Ist N52 immer besser als N42?
Nicht unbedingt. N52 ist bei gleicher Größe stärker, aber teurer und nicht hitzefester. Wenn Platz vorhanden ist, bringt ein etwas größerer N42 oft mehr Haftkraft fürs Geld.
Verliert ein Neodym-Magnet mit der Zeit seine Kraft?
Bei normalen Bedingungen kaum merklich. Kraft verlieren Magnete vor allem durch zu hohe Temperatur, starke Gegenfelder, mechanische Schäden oder Korrosion.
Kann ich Neodym-Magnete im Freien verwenden?
Ja, aber wähle eine robuste Beschichtung oder einen gekapselten Magneten. Eine einfache Nickelschicht kann bei Nässe mit der Zeit Rost ansetzen.
Woran erkenne ich die Güteklasse?
Von außen gar nicht. Seriöse Händler geben die Güteklasse im Datenblatt an, bei sehr billigen Angeboten ohne Angaben ist Vorsicht angebracht.
Quellen:
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