5 Min. Lesezeit
Erdmagnetfeld und Kompass einfach erklärt
Vom Geodynamo im Erdkern bis zur Missweisung: So funktioniert das Erdmagnetfeld, so nutzen Tiere es, und so baust du dir einen eigenen Kompass.

Du trägst ihn ständig mit dir herum, spürst ihn aber nie: den Magnetismus der Erde. Er lässt jede Kompassnadel nach Norden zeigen, lenkt Zugvögel über Kontinente und schützt unsere Atmosphäre vor dem Sonnenwind. Trotzdem wissen die wenigsten, wie dieses unsichtbare Feld eigentlich entsteht.
In diesem Ratgeber erfährst du, woher das Erdmagnetfeld kommt, warum Kompass-Norden nicht gleich Karten-Norden ist, was es mit der Missweisung auf sich hat und ob eine Polumkehr uns bedroht. Zum Schluss baust du dir mit einfachen Mitteln deinen eigenen Kompass.
01
Wie das Erdmagnetfeld entsteht
Das Magnetfeld der Erde stammt zum allergrößten Teil aus ihrem Inneren. Rund 3000 Kilometer unter deinen Füßen liegt der äußere Erdkern, eine Schicht aus flüssigem, sehr heißem Metall, überwiegend Eisen. Dieses Material ist elektrisch leitfähig und ständig in Bewegung, weil Wärme aus der Tiefe nach außen strömt. Durch die Erdrotation werden die Strömungen zusätzlich verwirbelt.
Bewegtes, leitfähiges Metall erzeugt elektrische Ströme, und diese Ströme wiederum erzeugen ein Magnetfeld. Das Feld verstärkt die Ströme, die Ströme verstärken das Feld: Fachleute sprechen vom Geodynamo. Nach gängiger Darstellung gehen etwa 95 Prozent des Feldes auf diesen Mechanismus zurück. Der Rest stammt unter anderem von magnetisierten Gesteinen in der Kruste und von Strömen in der oberen Atmosphäre.
Verglichen mit einem Neodym-Magneten ist das Erdmagnetfeld sehr schwach. Am Äquator misst man rund 30 Mikrotesla, in Polnähe etwa doppelt so viel. In Mitteleuropa liegt die Gesamtstärke bei ungefähr 48 Mikrotesla. Zum Vergleich: Ein kleiner Neodym-Magnet erreicht an seiner Oberfläche leicht das Zehntausendfache.
Trotz seiner Schwäche leistet das Feld Enormes. Es bildet weit draußen im All die Magnetosphäre, eine Art Schutzschild, der geladene Teilchen des Sonnenwinds ablenkt. Ohne ihn könnte der Sonnenwind die Atmosphäre nach und nach abtragen, wie es beim Mars vor langer Zeit vermutlich geschehen ist. Die Polarlichter zeigen dir, wo solche Teilchen doch eindringen.
Passend dazuNeodym-Scheibenmagnete SetAmazon →

02
Magnetischer und geografischer Nordpol
Der geografische Nordpol ist der Punkt, durch den die Drehachse der Erde verläuft. Der magnetische Nordpol ist dagegen der Ort, an dem die Feldlinien senkrecht in den Boden zeigen. Beide liegen nicht an derselben Stelle, und der magnetische Pol wandert. Seit seiner ersten Bestimmung durch James Clark Ross im Jahr 1831 in der kanadischen Arktis hat er sich weit Richtung Sibirien bewegt. Um das Jahr 2019 legte er zeitweise über 50 Kilometer pro Jahr zurück.
| Begriff | Was er bedeutet |
|---|---|
| Geografischer Nordpol | Nördlicher Endpunkt der Erdachse, fest und auf jeder Karte oben |
| Magnetischer Nordpol | Ort, an dem die Feldlinien senkrecht nach unten zeigen, wandert ständig |
| Geomagnetischer Nordpol | Rechnerischer Pol eines vereinfachten Dipolmodells, liegt wieder woanders |
Ein kleines Physikrätsel steckt auch darin: Da sich ungleiche Pole anziehen und der Nordpol deiner Kompassnadel nach Norden zeigt, ist der magnetische Nordpol der Erde physikalisch gesehen ein magnetischer Südpol. Der Name bezieht sich auf die Lage, nicht auf die Polarität.
03
Missweisung: warum dein Kompass leicht schief liegt
Den Winkel zwischen Kompass-Norden und geografischem Norden nennt man Missweisung oder Deklination. Sie hängt von deinem Standort ab und ändert sich im Lauf der Jahre. Wichtig: Die Nadel zeigt nicht schnurgerade auf den magnetischen Pol, sondern folgt der Richtung des Feldes genau dort, wo du gerade stehst. Deshalb ist die Missweisung auch keine einfache Geometrie, sondern muss gemessen und berechnet werden.
Liegt magnetisch Nord östlich von geografisch Nord, spricht man von östlicher, sonst von westlicher Missweisung. Für die Praxis gilt:
- Aktuellen Wert nachsehen: Auf guten Wanderkarten steht die Missweisung am Rand. Den aktuellen Wert für deinen Ort liefert zum Beispiel der Rechner der US-Behörde NOAA.
- Umrechnen: Östliche Werte werden zur Kompasspeilung addiert, westliche abgezogen, um die geografische Richtung zu erhalten.
- Störungen meiden: Eisen, Autos, Stromleitungen und Magnete in der Nähe verfälschen die Anzeige.
Übrigens nutzen auch Smartphones für ihre Kompass-Apps Weltmodelle des Magnetfelds wie das World Magnetic Model, das regelmäßig aktualisiert wird, zuletzt in der Version für 2025.
Passend dazuMagnet-ExperimentierkastenAmazon →

04
Polumkehr: kippt das Feld bald um?
Das Erdmagnetfeld hat seine Richtung in der Erdgeschichte schon oft gewechselt. Das zeigen magnetische Streifenmuster am Meeresboden: Frische Lava speichert beim Erkalten die jeweilige Feldrichtung wie ein Datenband. In den vergangenen rund 83 Millionen Jahren gab es mindestens 183 Umkehrungen, allerdings sehr unregelmäßig. Mal folgten mehrere dicht aufeinander, mal blieb das Feld zig Millionen Jahre stabil.
Die letzte vollständige Umkehr, benannt nach den Forschern Brunhes und Matuyama, liegt etwa 780.000 Jahre zurück. Kürzere Ausreißer, sogenannte Exkursionen, gab es auch danach, etwa vor rund 41.000 Jahren. Ein Umpolen dauert meist einige tausend Jahre. Das Feld verschwindet dabei nicht ganz, und statistische Auswertungen finden keinen Zusammenhang zwischen Umkehrungen und Massenaussterben. Wann die nächste Umkehr kommt, kann niemand vorhersagen.
05
Tiere mit Magnetsinn
Viele Tiere nutzen das Erdmagnetfeld als Navigationshilfe. 1972 zeigten Roswitha und Wolfgang Wiltschko an Rotkehlchen, dass Zugvögel die Neigung der Feldlinien wahrnehmen. Sie unterscheiden also nicht Nord und Süd, sondern "polwärts" und "äquatorwärts".
- Meeresschildkröten lesen Stärke und Neigung des Feldes wie eine grobe Landkarte und finden so auf Wanderungen über ganze Ozeane ihren Weg.
- Lachse und Langusten orientieren sich ebenfalls magnetisch.
- Brieftauben, Bienen und sogar Graumulle reagieren nachweislich auf Magnetfelder.
Wie der Sinn genau funktioniert, ist noch nicht vollständig geklärt. Bei Vögeln gilt ein lichtabhängiger Vorgang in Proteinen namens Cryptochrome im Auge als wichtigster Kandidat. Ob auch Menschen einen Magnetsinn haben, ist bisher offen.

06
Kompass selbst bauen
Das Prinzip des Kompasses ist uralt. Chinesische Quellen beschreiben Magnetnadeln zur Navigation schon im 11. Jahrhundert, nach Europa kam der Kompass gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Mit wenigen Dingen baust du dir heute selbst einen:
- Eine Nähnadel oder eine aufgebogene Büroklammer
- Einen Magneten, am besten einen Neodym-Magneten
- Ein Stück Korken, ein Blatt oder eine Scheibe Styropor
- Eine Schale mit Wasser
Streiche die Nadel mehrmals mit demselben Pol des Magneten, immer in dieselbe Richtung, und hebe den Magneten zwischendurch ab. Lege die Nadel dann auf den Korken und lass ihn vorsichtig auf dem Wasser schwimmen. Nach kurzer Zeit dreht sich die Nadel in Nord-Süd-Richtung. Das Wasser sorgt dafür, dass kaum Reibung entsteht. Halte Handy, Besteck und Magnet dabei auf Abstand, sonst lenken sie die Nadel ab. Und weil die Nadel spitz ist: Bei jüngeren Kindern bitte dabeibleiben.
07
Häufige Fragen
Zeigt ein Kompass genau zum Nordpol?
Nein. Er folgt dem örtlichen Magnetfeld. Die Abweichung zum geografischen Norden ist die Missweisung, die du für genaue Peilungen berücksichtigen solltest.
Ist eine Polumkehr gefährlich für uns?
Sie verläuft über lange Zeiträume, und das Feld verschwindet dabei nicht vollständig. Frühere Umkehrungen lassen sich nicht mit Massenaussterben in Verbindung bringen.
Warum funktioniert ein Kompass in der Nähe der Pole schlecht?
Dort zeigen die Feldlinien fast senkrecht nach unten, die waagerechte Kraft auf die Nadel wird sehr klein. Hersteller gleichen ihre Nadeln deshalb für bestimmte Weltregionen aus.
Kann ein Magnet meinen Kompass dauerhaft verstellen?
Ja, ein starker Magnet kann die Nadel ummagnetisieren oder sogar umpolen. Bewahre Kompass und Magnete daher getrennt auf.
Quellen:
Entdecken
Weiterlesen
MagnetartenVerschiedene Magnete und Magnetarten Viele Menschen haben, wenn sie das Wort Magnet hören, den klassischen Hufeisenmagnet im Kopf, bei dem …
Anwendung von MagnetenVerschiedene Möglichkeiten zur Anwendung von Magneten Wie wir bereits erfahren konnten, werden Magnete sowohl in unserem Privatleben als au…
Magnetismus: was ist das?Insbesondere für Kinder, aber auch für viele Erwachsene gehören sie zum Faszinierendsten, was die Physik zu bieten hat: Magnete. Das Schöne…