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Magnetwerkstoffe im Vergleich: welcher passt?

Ferrit, AlNiCo, Samarium-Kobalt, Neodym oder Magnetfolie? Unser Vergleich zeigt Stärke, Hitzefestigkeit, Preis und Rostschutz auf einen Blick.

Magnetwerkstoffe im Vergleich: welcher passt?

Magnet ist nicht gleich Magnet. Der schwarze Knopf an der Pinnwand, das biegsame Werbeschild am Kühlschrank, der glänzende Supermagnet aus dem Onlineshop und der rote Hufeisenmagnet aus dem Physikunterricht bestehen aus völlig unterschiedlichen Werkstoffen. Jeder davon hat seine eigenen Stärken und Schwächen.

In diesem Ratgeber stellen wir dir die fünf wichtigsten Magnetwerkstoffe vor: Ferrit, AlNiCo, Samarium-Kobalt, Neodym und flexible Magnete. Du erfährst, wie stark sie sind, wie viel Hitze sie vertragen, wie es um Rost und Preis steht und wofür sie typischerweise eingesetzt werden. Eine Vergleichstabelle fasst alles übersichtlich zusammen.

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Ferrit: der günstige Allrounder

Ferritmagnete, oft auch Keramikmagnete genannt, sind die Arbeitspferde der Magnetwelt. Sie bestehen im Wesentlichen aus Eisenoxid, das mit Barium oder Strontium zu einer Keramik verbunden wird. Weil die Rohstoffe billig und reichlich vorhanden sind, gehören Ferrite zu den preiswertesten Dauermagneten überhaupt.

Ihre magnetische Kraft ist im Vergleich zu Seltenerdmagneten moderat: Die Remanenz liegt bei etwa 0,35 Tesla. Dafür punkten sie mit einer hervorragenden Korrosionsbeständigkeit. Da sie selbst ein Oxid sind, können sie praktisch nicht rosten und brauchen keine Beschichtung. Auch Wärme vertragen sie ordentlich, als maximale Einsatztemperatur werden rund 250 °C angegeben.

  • Vorteile: sehr günstig, rostfrei, gute Temperaturfestigkeit
  • Nachteile: hart und spröde, deutlich schwächer als Neodym
  • Typische Einsätze: Kühlschrankmagnete, Lautsprecher, kleine Elektromotoren, Sensoren im Auto
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Dunkelgraue Ferrit-Ringmagnete und Blockmagnete auf einer Werkbank neben einem zerlegten Lautsprecher

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AlNiCo: der Klassiker, der Hitze liebt

AlNiCo steht für Aluminium, Nickel und Kobalt, die zusammen mit Eisen und etwas Kupfer die Legierung bilden. Die Entwicklung begann 1931 in Japan, als der Forscher Tokushichi Mishima eine Eisen-Nickel-Aluminium-Legierung mit damals beeindruckender Koerzitivfeldstärke entdeckte. Jahrzehntelang waren AlNiCo-Magnete die stärksten verfügbaren Dauermagnete.

Ihre große Stärke ist die Temperatur. Die Curietemperatur liegt bei etwa 800 °C, und als praktische Einsatzgrenze werden je nach Quelle rund 525 bis 540 °C genannt. Damit behalten sie ihre Magnetisierung auch dort, wo andere Werkstoffe längst aufgeben. Die Remanenz kann über 1,2 Tesla erreichen, doch die Koerzitivfeldstärke ist niedrig. Das bedeutet: AlNiCo lässt sich vergleichsweise leicht entmagnetisieren, etwa durch ein starkes Gegenfeld oder ungünstige Form. Deshalb sind klassische AlNiCo-Magnete oft lang und schlank oder als Hufeisen geformt.

  • Vorteile: höchste Einsatztemperatur, sehr stabile Magnetwerte bei Temperaturschwankungen, gute Korrosionsbeständigkeit
  • Nachteile: leicht zu entmagnetisieren, relativ geringe Energiedichte
  • Typische Einsätze: Gitarren-Tonabnehmer, Mikrofone, Messinstrumente, Sensoren, Schulmagnete

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Samarium-Kobalt: stark und hitzefest

Samarium-Kobalt-Magnete, kurz SmCo, entstanden in den 1960er Jahren in den USA. Es gibt sie in zwei Hauptvarianten, SmCo5 und Sm2Co17. Sie gehören wie Neodym zu den Seltenerdmagneten, erreichen aber nicht ganz dessen Kraft: Ihre Energiedichte liegt grob bei zwei Dritteln eines Neodym-Magneten.

Dafür glänzen sie dort, wo es heiß und feucht wird. Die maximale Einsatztemperatur liegt je nach Sorte etwa bei 250 bis 350 °C, Spezialsorten schaffen noch mehr. Die Curietemperatur erreicht 700 bis 800 °C. Außerdem sind SmCo-Magnete sehr korrosionsbeständig und kommen meist ohne Beschichtung aus. Der Haken: Sie sind spröde, splittern leicht und sind teuer, weil der Kobaltpreis stark schwankt.

  • Vorteile: hohe Kraft, sehr gute Hitzebeständigkeit, kaum Korrosion
  • Nachteile: hoher Preis, sehr spröde
  • Typische Einsätze: Luft- und Raumfahrt, Präzisionssensoren, Hochleistungsmotoren, Medizintechnik
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Kleine matt silbergraue Samarium-Kobalt-Magnete neben einem Präzisionsmotor auf einem Labortisch

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Neodym: die Kraftpakete

Neodym-Magnete (NdFeB) wurden 1984 unabhängig voneinander von General Motors und Sumitomo Special Metals entwickelt. Sie sind die stärksten kommerziell erhältlichen Dauermagnete. Die Remanenz liegt bei etwa 1,0 bis 1,4 Tesla, die Energiedichte deutlich über allen anderen Werkstoffen. Die Güteklassen reichen etwa von N35 bis N52, wobei die Zahl für das maximale Energieprodukt steht.

Zwei Schwachpunkte solltest du kennen. Erstens rosten Neodym-Magnete leicht, vor allem entlang der Korngrenzen. Deshalb sind sie fast immer beschichtet, meist mit Nickel-Kupfer-Nickel. Zweitens sind sie wärmeempfindlich: Standardsorten sind nur bis etwa 80 °C ausgelegt. Spezielle Hochtemperatursorten mit Zusatzbuchstaben wie H, SH oder EH vertragen je nach Sorte bis rund 200 °C. Zudem sind sie spröde und können beim Zusammenprallen splittern.

  • Vorteile: enorme Kraft auf kleinstem Raum, bezahlbar
  • Nachteile: braucht Beschichtung, begrenzte Temperaturfestigkeit, spröde
  • Typische Einsätze: Elektromotoren, Windkraftanlagen, Kopfhörer, Festplatten, Akkuwerkzeuge, Magnetangeln
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Flexible Magnete: biegsam und vielseitig

Flexible Magnete, auch Magnetfolie oder Gummimagnet genannt, bestehen aus Ferritpulver, das in einen Kunststoff oder Gummi eingebettet ist. Meist sind sie auf einer Seite in feinen Streifen abwechselnd nord- und südpolig magnetisiert. Deshalb haftet nur eine Seite richtig gut.

Ihre Haftkraft ist deutlich geringer als die massiver Magnete, wächst aber mit Dicke und Fläche. Der große Vorteil: Du kannst sie mit Schere oder Cutter zuschneiden, bedrucken und auf gebogene Flächen legen. Sie sind unempfindlich gegen Feuchtigkeit und günstig. Bei Wärme ist allerdings früh Schluss, als Grenze werden rund 80 °C angegeben, weil das Bindemittel weich wird.

  • Typische Einsätze: Fahrzeugschilder, Regaletiketten, Werbemagnete, Whiteboard-Zubehör, Türdichtungen von Kühlschränken
Hände schneiden eine Magnetfolie mit einer Schere zu, daneben fertige Magnetschilder und Etiketten

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Kennwerte verstehen und vergleichen

Wenn du Datenblätter liest, begegnen dir immer wieder drei Begriffe. Es lohnt sich, sie einmal verstanden zu haben:

  • Remanenz (Br): Sie beschreibt, wie viel Magnetisierung nach dem Aufmagnetisieren im Werkstoff bleibt. Sie wird in Tesla angegeben. Grob gilt: Je höher die Remanenz, desto stärker das Feld an der Oberfläche.
  • Koerzitivfeldstärke: Sie zeigt, wie gut sich ein Magnet gegen Entmagnetisierung wehrt. Ein Werkstoff mit hoher Koerzitivfeldstärke bleibt auch in Gegenfeldern oder in flacher Form stabil.
  • Curietemperatur: Oberhalb dieser Temperatur verliert ein Werkstoff seine magnetische Ordnung vollständig. Die praktisch nutzbare Einsatztemperatur liegt immer deutlich darunter.

Das Energieprodukt, oft als (BH)max angegeben, fasst Remanenz und Koerzitivfeldstärke zu einer Kennzahl für die gespeicherte magnetische Energie zusammen. Es ist der beste einzelne Wert, um die Kraft verschiedener Werkstoffe zu vergleichen.

In der folgenden Tabelle findest du alle fünf Werkstoffe im Überblick. Die Werte sind grobe Richtwerte. Je nach Sorte, Hersteller und Form können sie deutlich abweichen, prüfe für konkrete Anwendungen deshalb immer das Datenblatt.

WerkstoffStärkeMax. EinsatztemperaturPreisKorrosion
Ferritmittelca. 250 °Csehr günstigrostfrei
AlNiComittel, leicht entmagnetisierbarca. 525 °Cmittelgut beständig
Samarium-Kobalthochca. 250 bis 350 °Cteuersehr gut beständig
Neodymsehr hochca. 80 °C (Sondersorten bis ca. 200 °C)mittelrostet ohne Beschichtung
Flexibelgeringca. 80 °Cgünstigunempfindlich

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Welcher Werkstoff passt zu dir?

Für die meisten Alltagsaufgaben reicht eine einfache Faustregel:

  • Maximale Kraft bei kleiner Größe: Neodym, zum Beispiel für Magnetangeln, Pinnwände mit dicken Papierstapeln oder Bastelprojekte.
  • Günstig, robust und draußen im Einsatz: Ferrit.
  • Große Flächen, Beschriftung, Schneiden: flexible Magnete.
  • Hohe Temperaturen: Samarium-Kobalt oder AlNiCo.
  • Klassischer Klang und Nostalgie: AlNiCo, etwa bei Tonabnehmern.

Denke bei starken Magneten auch an die Sicherheit: Große Neodym-Magnete können Finger schmerzhaft einklemmen, und verschluckte Magnete sind für Kinder gefährlich. Bewahre sie deshalb immer außer Reichweite kleiner Kinder auf.

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Häufige Fragen

Welcher Magnet ist der stärkste?

Neodym-Magnete sind die stärksten handelsüblichen Dauermagnete. Samarium-Kobalt folgt auf Platz zwei.

Welche Magnete rosten nicht?

Ferrit rostet praktisch nicht, und auch Samarium-Kobalt ist sehr beständig. Neodym braucht dagegen eine Schutzschicht, sonst korrodiert es.

Verliert ein Magnet durch Hitze seine Kraft?

Ja. Bis zur maximalen Einsatztemperatur ist der Verlust meist umkehrbar. Wird diese deutlich überschritten, bleibt ein Teil der Kraft dauerhaft verloren, oberhalb der Curietemperatur verschwindet die Magnetisierung ganz.

Kann ich Magnetfolie selbst zuschneiden?

Ja, flexible Magnete lassen sich mit Schere, Cutter oder Stanze bearbeiten. Massive Magnete solltest du dagegen nicht bohren oder sägen, da sie splittern können.

Quellen:

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